Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Asiatische Hornisse gilt als Bedrohung für Bienenvölker. In Appenzell Ausserrhoden ist die invasive Art seit Ende Juli erstmals nachgewiesen worden.
Symbolbild: AdobeStock
Von Marino Walser Die Suche nach dem Nest der Asiatischen Hornisse in Herisau dauert an. Der Kanton prüft nun eine Besenderung der Tiere.
Schädling Seit dem ersten bestätigten Fund einer Asiatischen Hornisse in Appenzell Ausserrhoden Ende Juli ist die Suche nach dem Nest in vollem Gang – bislang ohne Erfolg. Wie der Kanton auf Anfrage mitteilt, sind seit der Erstmeldung elf Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Nur einer davon konnte tatsächlich als Asiatische Hornisse bestätigt werden, fünf entpuppten sich als Verwechslungen mit mittleren Wespen, gemeinen Wespen oder einheimischen Hornissen. Bei weiteren fünf Meldungen fehlte bislang das nötige Bildmaterial für eine eindeutige Bestimmung. Auch ausserhalb von Herisau gab es in den vergangenen Wochen drei Hinweise – aus Waldstatt, Schwellbrunn und Hundwil. Diese konnten jedoch anhand von Foto- und Videomaterial als einheimische Hornissen identifiziert werden. Ob sich die invasive Art über das bisherige Fundgebiet hinaus bereits weiter ausgebreitet hat, lässt sich laut Kanton derzeit weder bestätigen noch ausschliessen.
Nestsuche soll intensiviert werden
Das Nest selbst ist trotz aufgestellter Locktöpfe und der Mithilfe geschulter Imker noch nicht gefunden. Sollte sich die Suche weiter hinziehen, kündigt der Kanton eine Verschärfung der Massnahmen an: «Die Suche nach dem Nest muss intensiviert werden, und eine Besenderung der Hornissen wäre zu prüfen», sagt Svenja Graf vom Kommunikationsdienst Appenzell Ausserrhoden. Bei der Besenderung werden einzelne Tiere mit einem winzigen Sender versehen, um ihren Flugweg zurück zum Nest zu verfolgen – eine Methode, die in anderen Kantonen bereits erfolgreich angewendet wurde.
An den Ressourcen soll die Bekämpfung vorerst nicht scheitern. «In der aktuellen Bekämpfungsphase stehen – dank engagierter Mithilfe der Imker – noch genügend Ressourcen zur Verfügung», so Graf weiter.
Ausrottung nicht mehr realistisch
Dass sich die Art langfristig aus der Schweiz verdrängen lässt, glaubt man beim Kanton nicht mehr. Man orientiert sich an den Erfahrungen bereits stärker betroffener Kantone: «Die Erfahrungen der betroffenen Kantone haben gezeigt, dass eine Ausrottung der Asiatischen Hornisse nicht mehr möglich ist. Mit einer effizienten Bekämpfung kann aber die Invasion verlangsamt und der Druck verringert werden», erklärt Graf. Entscheidend seien die frühe Nestsuche im Frühling, die Wahl geeigneter Fallen sowie die Einbindung von Imkerschaft und Bevölkerung – kleine Nester im Siedlungsgebiet liessen sich im Frühjahr am einfachsten aufspüren und vernichten.
Appenzell Ausserrhoden steht laut eigenen Angaben im regelmässigen Austausch mit den zuständigen Stellen anderer Kantone und stützt sein Vorgehen massgeblich auf deren Erfahrungswerte. Zusätzlich gibt es eine gesamtschweizerische Arbeitsgruppe, die Handlungsanleitungen für die Kantone erarbeitet hat; diese sind auf www.bienen.ch einsehbar.
Sorge um Imkerei und Biodiversität
Sollte sich die Asiatische Hornisse im Kanton dauerhaft etablieren, rechnet man mit spürbaren Folgen. «Eine dauerhafte Etablierung der Asiatischen Hornisse stellt schweizweit eine Bedrohung für die Imkerei, Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion dar», so Graf. Grund dafür sei das Fehlen natürlicher Feinde hierzulande, was eine rasche Ausbreitung begünstige. Für starke Bienenvölker seien die Verluste durch die Hornisse in der Regel verkraftbar, für geschwächte Völker könne die Art dagegen zur ernsthaften Bedrohung werden. Auch Wildbienen gerieten unter zusätzlichen Prädationsdruck – ein weiterer Faktor im ohnehin spürbaren Rückgang der Biodiversität. Bei hoher Populationsdichte drohten zudem Frassschäden an reifen Früchten im Obst- und Weinbau, und eine durch die Prädation verringerte Bestäubungsleistung könne sich negativ auf landwirtschaftliche Erträge auswirken.
Bevölkerung weiter gefragt
Der Kanton hält an seinem Aufruf zur Mithilfe fest: Meldungen aus der Bevölkerung könnten helfen, den Suchperimeter einzugrenzen. An bestätigten Fundorten aufgestellte Locktöpfe dienen dabei der sogenannten Triangulation, mit der sich der Standort des Nests eingrenzen lässt. Das Amt für Umwelt nimmt weiterhin Hinweise entgegen – telefonisch unter 071 353 65 35 oder per Mail an afu@ar.ch.
Ausrottung nicht mehr möglich
Auch ein Experte bestätigt die Einschätzung des Kantons – und macht sich diesbezüglich keine Illusionen. René Glogger, Fachspezialist für Chemikalien, Störfall und biologische Risiken, sagt auf die Frage, ob die Asiatische Hornisse in der Schweiz überhaupt noch ausgerottet werden könne, unmissverständlich: «Nein.» Es gehe längst nur
noch darum, die Ausbreitung zu verlangsamen. «Eine Ausrottung ist nicht mehr möglich. Mit dem
Vernichten der Nester kann aber eine Ausbreitung verlangsamt und die Bestände möglichst tief gehalten werden.»
Für die Imkerschaft heisst das laut Glogger vor allem eines: sich auf die neue Realität einzustellen. Aus den Erfahrungen anderer, stärker betroffener Regionen Europas zieht er den Schluss: «Die Hauptbetroffenen müssen lernen, mit der Asiatischen Hornisse zu leben.» Dazu gehöre insbesondere das konsequente Suchen und Zerstören von Nestern. Schliesslich könnten aus einem einzigen Nest bis zu 600 Jungköniginnen hervorgehen.
Dass es in Herisau bereits mehrere Nester geben könnte und der aktuelle Fund nur die Spitze des Eisbergs ist, hält Glogger für wenig wahrscheinlich: Da es sich um einen Erstfund handle, sei davon auszugehen, dass es bislang das einzige Nest sei. Ob dieses überhaupt noch rechtzeitig gefunden wird, hänge nun aber stark von einem Faktor ab: von der Mitarbeit der lokalen Imker.
Sollte das Nest nicht gefunden werden, sei die Folge klar absehbar: eine «weitere Ausbreitung» im kommenden Frühjahr. Zusätzliche Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung hält Glogger dabei durchaus für nützlich – sie würden helfen, den Standort des Nestes einzugrenzen. Auch die Strategie der Nestsuche als solche bleibe sinnvoll, selbst wenn sich die Hornisse längst über mehrere Kantone ausgebreitet habe: Sie diene der Verlangsamung der weiteren Ausbreitung.
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